Maserbirke ölen: Hartwachsöl oder reines Öl

An einem Werkstück, das in der Hand liegt, bringt reines, dünnflüssiges Öl die Maserung tiefer heraus als Hartwachsöl, und es lässt sich nach Jahren an Ort und Stelle ausbessern. Hartwachsöl ist die richtige Wahl, wenn die Oberfläche mechanisch beansprucht wird oder wenn zwei Schichten am selben Tag fertig werden müssen; es baut einen dünnen Film auf und dämpft den Tiefeneffekt der Zeichnung ein Stück.

Gemeint ist hier die Griffschale, die gedrechselte Schale, das Kästchen, der Werkzeuggriff. Für Tischplatten, Arbeitsplatten und Fußböden gelten andere Prioritäten und andere Produkte; die Empfehlungen unten sind auf Werkstücke von Handgröße ausgelegt, bei denen die Oberfläche selbst das Verkaufsargument ist.

Drei Oberflächen im Schnitt: Öl, Lack, Wachs
Erst mit Terpentinersatz abwischen: so wirkt später das Öl.

Was das Öl mit der Zeichnung macht

Trocknende Öle härten im Holz aus, statt darauf zu liegen. Sie ändern den Brechungsindex der obersten Zellschichten, und weil die Fasern in der Maserzone in alle Richtungen stehen, reflektieren sie danach unterschiedlich stark. Das ist der eigentliche Grund, warum eine geschliffene, trockene Maserbirke fast unscheinbar wirkt und nach dem ersten Ölauftrag plötzlich Tiefe bekommt.

Die Kehrseite ist die ungleiche Aufnahme. Maserbirke saugt nicht überall gleich: In den Zonen, in denen das Gewebe ungeordnet geteilt ist, steht mehr Hirnholz an der Oberfläche als in den normal gewachsenen Bereichen daneben, und Hirnholz nimmt ein Vielfaches an Öl auf. Wer satt aufträgt und stehen lässt, bekommt dunkle Flecken genau dort, wo die Zeichnung am dichtesten ist. Die Hintergründe zum Aufbau des Holzes stehen auf der Seite karelische Birke.

Der erste Auftrag entscheidet deshalb über das Ergebnis. Er soll dünn sein, gleichmäßig verteilt und vollständig abgenommen werden, bevor er anzieht. Alles Weitere baut darauf auf.

Reines Öl

Leinöl in gekochter Form, Tungöl und Walnussöl härten oxidativ aus. Roher Leinöl braucht dafür Wochen bis Monate und bleibt lange klebrig; für Werkstücke, die benutzt werden sollen, ist gekochtes Leinöl oder ein Leinölfirnis mit Trockenstoffen die praktikable Variante. Tungöl härtet etwas härter und deutlich wasserabweisender aus, bleibt matter und vergilbt weniger stark als Leinöl, was bei heller Birke sichtbar ist.

Verdünnen Sie den ersten Auftrag, etwa ein Teil Öl auf einen Teil Balsamterpentinöl oder Isoparaffin. Verdünntes Öl läuft weiter in die Fläche, bevor es anzieht, und gleicht damit die unterschiedliche Saugfähigkeit aus. Ab dem zweiten Auftrag arbeiten Sie unverdünnt.

Der Ablauf am Werkstück: dünn auftragen, fünf bis zehn Minuten einziehen lassen, mit einem fusselfreien Tuch vollständig trocken nachwischen, zwölf bis vierundzwanzig Stunden warten, zwischen den Aufträgen ab dem dritten mit einem gebrauchten 400er-Papier oder einem Vlies leicht überziehen. Drei bis fünf Aufträge sind bei einem Griff üblich, bei einer offenen Schale genügen oft drei.

Ölgetränkte Lappen sind selbstentzündlich. Das ist kein Warnhinweis aus Vorsicht, sondern ein regelmäßiger Werkstattbrandgrund: Das aushärtende Öl gibt Wärme ab, und ein zusammengeknüllter Lappen im Eimer erreicht die Zündtemperatur. Ausbreiten und trocknen lassen oder in Wasser legen.

Hartwachsöl

Hartwachsöl ist eine Mischung aus trocknenden Ölen, Wachsen, Trockenstoffen und Lösemittel. Es zieht flacher ein und lässt einen dünnen Film zurück, der Wasser und Verschmutzung schneller abweist als reines Öl. Bei einer Schale, die täglich benutzt und gelegentlich feucht abgewischt wird, ist das ein realer Vorteil.

Der Nachteil bei diesem Holz ist optisch. Weil weniger Material in die oberen Zellschichten geht, fällt der Tiefeneffekt kleiner aus; die Fläche wirkt gleichmäßiger und ruhiger, aber die Maserung steht weniger plastisch. Bei Klasse Economy, deren Zeichnung ohnehin unregelmäßiger verteilt ist, kann das sogar erwünscht sein, bei Premium verschenkt es den Grund, warum man Premium gekauft hat. Was die Klassen unterscheidet, steht unter Qualitätsklassen.

Auftrag: sehr dünn mit Pad oder Lappen, mit der Faser verteilen, überschüssiges Material innerhalb weniger Minuten abnehmen. Zwei Aufträge reichen in den meisten Fällen; ein dritter bringt Glanz, aber keine zusätzliche Schutzwirkung. Zu satter Auftrag ist der häufigste Fehler und zeigt sich als streifige, leicht klebrige Fläche, die sich nur mit Lösemittel wieder öffnen lässt.

Ein Mischweg funktioniert gut: erster und zweiter Auftrag mit reinem, verdünntem Öl für die Tiefe, danach ein dünner Auftrag Hartwachsöl für die Oberfläche. Warten Sie dazwischen, bis das Öl wirklich durchgehärtet ist, nicht nur grifffest.

Vorbereitung entscheidet mehr als das Produkt

Schleifen Sie nicht zu fein. Ab etwa 400 nimmt die Fläche das Öl ungleichmäßig an, und der Kontrast der Zeichnung wird flauer statt tiefer. Für geölte Werkstücke ist bei 240 bis 320 Schluss.

Machen Sie vor dem letzten Schliffgang einen Wasserstrich: Fläche anfeuchten, trocknen lassen, aufgestellte Fasern mit der letzten Körnung abnehmen. Bei Maserbirke stellen sich in den Maserfeldern besonders viele Fasern auf, und wenn Sie das nicht vor dem Ölen erledigen, erledigt es das Öl, und zwar sichtbar.

Entfernen Sie Schleifstaub aus den offenen Zonen. Eingewachsene Rinde und offene Einschlüsse halten Staub fest, der sich unter Öl als heller Schleier zeigt. Druckluft und ein weicher Pinsel reichen; feuchtes Abwischen bringt den Staub tiefer hinein.

Am Griff, an der Schale

Griffschalen ölen Sie fertig montiert oder fertig verklebt, nicht davor. Öl in einer künftigen Leimfuge kostet die Verbindung. Wenn Sie vor dem Verkleben schon eine Fläche ölen müssen, decken Sie die Fuge ab und reinigen sie vor dem Verleimen mit Aceton.

Bei der gedrechselten Schale kann der erste Auftrag auf der Maschine erfolgen, bei niedriger Drehzahl mit einem Tuch aufgetragen und sofort abgenommen. Das reicht für die Innenseite und spart Zeit; die letzten Aufträge macht man besser von Hand, weil sich sonst Öl in der Kehle sammelt. Die Außenfläche einer Schale zeigt die Zeichnung vollständig, und dort lohnt sich der zusätzliche Auftrag am meisten.

Nachpflege

Geölte Flächen werden nicht neu aufgebaut, sondern nachgeölt. Fläche mit 600er Papier oder Vlies leicht anschleifen, ein dünner Auftrag, abnehmen, aushärten lassen. Das funktioniert nach Jahren genauso wie im ersten Monat und ist der Grund, warum Öl an Gebrauchsgegenständen dem Lack überlegen ist.

Bevor Sie eine größere Serie ölen, machen Sie den Auftrag an einem Reststück aus derselben Bohle. Die Aufnahme unterscheidet sich zwischen Stämmen deutlich, und an einem Abschnitt von zehn Zentimetern sehen Sie in einem Tag, was Sie sonst an fünf Werkstücken lernen. Solche Reststücke fallen bei Ihrem eigenen Zuschnitt ohnehin an; legen Sie von jeder Bohle eines beiseite und beschriften Sie es mit Stamm und Klasse. Welche Bohlenstärken und Stammabschnitte es dafür gibt, steht unter Produkte.

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